Konkrete Risikoanalyse – Lieferant prüfen einfach erklärt
Autor Christian Ehrmann · Stand 28.08.2026 · https://www.catenis.de/lexikon/konkrete-risikoanalyse
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Was es ist
Nach der Priorisierung prüft die konkrete Risikoanalyse ausgewählte Lieferanten oder Sachverhalte genauer. Fragebögen, Nachweise, Gespräche oder Audits sind übliche Mittel. Ob ein Risiko wirklich besteht und welche Maßnahme passt, muss festgehalten und bei Bedarf wiederholt werden.
Hier hört die Sortierung auf und die Akte zum einzelnen Partner beginnt. Der priorisierte Bestücker bekommt den Bogen, liefert Lohn- und Schichtbelege, ein Gespräch mit dem Werkleiter wird datiert. Am Ende steht ein Satz: Risiko bestätigt, nicht bestätigt, unklar – plus die nächste Maßnahme.
Ein zurückgesandter Fragebogen ist Rohstoff. Alle Kreuze auf „nein“ ohne Beleg sind kein Befund. Der Einkauf muss lesen, nachfassen, den Widerspruch zum Unfallprotokoll aus der Beschwerde notieren. Sonst ist die Analyse eine Sammlung von PDFs.
Catenis hält Bogen, Nachweis, Gesprächsnotiz und das bewertete Ergebnis am Lieferanten. Die Ampel wechselt, wenn das Ergebnis und die Folgefrist gesetzt sind. Ein leerer Rücklauf ohne Datum bleibt offen.
Teillieferung des Bogens ist ein üblicher Stand. Dann bleiben die unbeantworteten Schutzgüter offen, die belegten können schon bewertet werden. Alles oder nichts verzögert die schweren Fragen hinter den leichten.
Geltungsbereich
Geprüft werden die Partner und Sachverhalte, die die Priorisierung nach vorn gelegt hat, plus Anlässe: Hinweis, neuer Bezug, wesentlicher Änderungsantrag. Das Gesetz verlangt keine gleich tiefe Prüfung jedes Stammsatzes.
Mittel reicht vom Bogen über Belege und Video-Gespräch bis zum Audit vor Ort. Die Wahl folgt Schwere, Einfluss und Aufwand. Ein Audit für jeden C-Lieferanten ist keine Pflicht. Ein Bogen ohne Nachfassung bei einem A-Risiko auch nicht.
Wiederholung gehört dazu. Ein Audit 2022 deckt die Lage 2026 nicht. Der Turnus kann vom Risiko abhängen. Der Turnus muss in der Akte stehen, sonst gilt stillschweigend „irgendwann“.
Die konkrete Prüfung am unmittelbaren Partner ist der Normalfall. An der Vorstufe setzt sie ein, wenn substantiierte Kenntnis die Tür öffnet. Dann ist der Sachverhalt oft ein benanntes Werk, nicht der ganze Stamm.
Sprache und Zuständigkeit klären, bevor der Bogen geht. Ein englischer 80-Fragen-Text an einen Betriebsleiter ohne Einkaufskontakt bleibt leer. Der Vertragspartner muss den Empfänger benennen. Sonst läuft die Frist gegen niemanden.
Was zu tun ist
Vor dem Versand den Scope festlegen: welche Schutzgüter, welche Nachweise, welches Datum der Rückantwort. Ein Bogen ohne Frist erzeugt Dauerpost.
Rücklauf gegen die eigene Kenntnis halten. Offene Widersprüche als Punkte führen, nicht als „unklar“ in einer Fußnote verstecken. Unklar mit Frist ist ein Ergebnis. Unklar ohne Owner ist keines.
Das Bewertungsergebnis schreiben: besteht das Risiko, welches Schutzgut, welche Prävention oder Abhilfe. Wer nur „Bogen vollständig“ speichert, hat die Analyse nicht beendet.
Bei bestätigtem Risiko die Maßnahme am selben Tag anlegen. Die konkrete Prüfung endet nicht mit der Erkenntnis. Sie endet mit der übergebenen Frist.
In Catenis bleibt das Ergebnis am Lieferanten sichtbar. Ein Prüfer soll Bogen, Beleg, Satz und Maßnahme in einer Akte finden, nicht in vier Postfächern.
Wiedervorlage setzen, sobald das Ergebnis steht: zwölf Monate, früher bei Anlass, später nur mit Satz. Ohne dieses Datum gilt der Bogen als ewig gültig. Das ist er nicht.
Video-Gespräch wie ein Audit behandeln: Teilnehmer, Uhrzeit, drei Kernaussagen, offene Punkte. Ein Kalendereintrag ohne Notiz ist kein Mittel der Analyse.
Widerspruch zum Beschwerdefall: der Bogen sagt keine Unfälle, die Meldung nennt einen schweren Vorfall im März. Beides in derselben Akte, eine Nachfassfrage, ein Datum. Getrennte Systeme machen aus zwei Wahrheiten keine Analyse.
Remote-Audit nur mit Scope: welche Halle, welche Schicht, welche Unterlagen vorher. Ein Rundgang ohne diese drei Punkte ist ein Besuch. Der Prüfer fragt nach dem Scope, nicht nach dem Gruppenfoto.
Dolmetscher und Betriebsrat des Partners im Gespräch zulassen, wenn das die Aussage trägt. Teilnehmerliste führen. Eine Aussage „alles in Ordnung“ ohne Namen ist später nicht zuzuordnen.
Belege mit Ablaufdatum (Unfallstatistik, Unterweisung, Lohnperiode) in die Wiedervorlage schreiben. Ein Bogen ohne diese Daten altert still.
Typischer Fehler
Der typische Fehler: der Bogen kommt mit durchgängig „nein“ zurück und wandert als „kein Risiko“ in die Ablage. Nachtschicht, Leiharbeit und fehlende Unfallzahlen wurden nicht gefragt. Ein Jahr später findet das Qualitätsaudit genau das vor Ort.
Der zweite: ein Audit aus dem Vorvorgängerjahr zählt weiter als aktuelle Analyse, obwohl der Partner das Werk verlegt hat. Der Scope steht noch auf der alten Adresse.
Der dritte: das Gespräch mit dem Werkleiter findet statt, niemand schreibt Ort, Teilnehmer und Kernaussagen auf. Als der Einkäufer wechselt, ist die Prüfung unsichtbar.
Ein vierter: der Bogen wird an die Marketingadresse des Partners geschickt. Es antwortet die Broschüre. Produktion und Schicht bleiben ungefragt. Der Rücklauf ist vollständig und inhaltlich leer.
Grenze
Das Lexikon erklärt den zweiten Schritt. Es sagt nicht, welches Mittel in eurem Fall reicht oder ob ein Risiko rechtlich besteht. Das bleibt Bewertung des Unternehmens und der Beratung.
Catenis dokumentiert Mittel, Rücklauf, Ergebnis und Folgefrist. Ein Audit-Attest von außen und die BAFA-Sicht bleiben außerhalb. Die Ampel ist Arbeitsstand, kein Prüfsiegel.
Häufige Fragen
Was ist Konkrete Risikoanalyse?
Nach der Priorisierung prüft die konkrete Risikoanalyse ausgewählte Lieferanten oder Sachverhalte genauer. Fragebögen, Nachweise, Gespräche oder Audits sind übliche Mittel. Ob ein Risiko wirklich besteht und welche Maßnahme passt, muss festgehalten und bei Bedarf wiederholt werden.
Ersetzt das Lexikon eine Rechtsberatung?
Nein. Die Texte ordnen Themen ein. Rechtliche Bewertung, Register und Behördenprozesse bleiben beim Unternehmen bzw. seinen Beratern.