Präventionsmaßnahmen nach LkSG einfach erklärt
Autor Christian Ehrmann · Stand 28.08.2026 · https://www.catenis.de/lexikon/praevention
Bei Zitat URL und Abrufdatum angeben. Keine Rechtsberatung.
Was es ist
Prävention soll Risiken verhindern oder verringern, bevor ein Verstoß eintritt: Schulungen, Code of Conduct, Vertragsklauseln, angepasste Einkaufspraktiken, Nachfragen bei priorisierten Lieferanten. Die Maßnahme muss zum ermittelten Risiko passen und nachvollziehbar dokumentiert sein.
Prävention sitzt nach der Analyse, nicht vor ihr. Erst das Risiko, dann die Maßnahme. Ein Kodex an alle 400 Lieferanten ist keine Prävention, wenn die Analyse Überstunden in einer Gießerei und fehlende Schutzausrüstung in einer Lackiererei ergeben hat. Dann braucht jede Stelle etwas anderes.
Im Einkauf heißt das oft weniger Papier und mehr Bestellpraxis. Zahlungsziel, Mindestlosgröße, Lieferzeit, wer freigibt. Wer den Preis drückt und in 14 Tagen Ware will, erzeugt genau das Risiko, das der Kodex verbietet. Die Akte muss das festhalten: Lieferant, Risiko, Maßnahme, Owner, Frist.
Catenis legt die Maßnahme an den Lieferanten, mit Fälligkeit und Status. Die Ampel im LkSG-Cockpit zeigt, wo Prävention offen ist. Ob die gewählte Maßnahme rechtlich reicht, entscheidet das Unternehmen mit seiner Beratung. Die Plattform bewertet das nicht.
Geltungsbereich
Seit 2024 gilt das LkSG typischerweise ab 1.000 Beschäftigten. Unter der Schwelle besteht keine unmittelbare Pflicht. Kundenfragebögen und Audits verlangen trotzdem Kodex, Klausel und Schulungsnachweis. Der Mittelstand unter der Schwelle trifft dieselben Dokumente, nur ohne BAFA-Akte.
Pflichtig bleibt das Unternehmen. Operativ sitzt die Arbeit im Einkauf: Wer bestellt, wer verlängert den Rahmenvertrag, wer lässt eine Abweichung durch. Der unmittelbare Zulieferer ist der erste Kreis. Mittelbare Stufen kommen dazu, wenn substantiierte Kenntnis vorliegt – ein konkreter Hinweis, kein Länderindex allein.
Prävention muss angemessen sein. Schwere und Wahrscheinlichkeit steuern den Aufwand. Eine Werkstatt mit zwölf Leuten in Polen braucht keinen 80-Seiten-Kodex auf Englisch. Sie braucht eine kurze Zusage zu Arbeitszeit und Sicherheit und jemanden, der nachfragt, wenn die Antwort leer bleibt.
Umweltbezogene und menschenrechtliche Risiken stehen nebeneinander. Ein ISO-14001-Zertifikat ersetzt keine Klausel zu Zwangsarbeit. Ein unterschriebener Kodex ersetzt keine angepasste Bestellmenge, wenn Überstunden das eigentliche Risiko sind.
Was zu tun ist
Zuerst die priorisierten Partner aus der konkreten Analyse nehmen. Für jeden das eine Risiko notieren, das die Maßnahme treffen soll. Ohne diesen Satz wird später aus einer Schulung eine Sammelaktion ohne Bezug.
Beispiel Gießerei: Die Analyse zeigt Überstunden über dem gesetzlichen Rahmen. Prävention ist dann nicht der Kodex, den der Geschäftsführer schon unterschrieben hat. Es ist die quartalsweise Anforderung der Schichtpläne, eine Klausel zu Höchstarbeitszeit und die Anweisung an den Einkäufer, keine Expressorder mehr ohne Freigabe zu setzen. Frist 30 Tage für den ersten Plan. Danach Wiedervorlage.
Beispiel Zahlungsziel: Ein Rohstoffhändler zahlt seine Vorstufe erst nach 90 Tagen. Die Vorstufe vergibt Nacharbeit an unbekannte Werkstätten. Prävention kann heißen, das eigene Zahlungsziel auf 45 Tage zu ziehen und das im Vertrag festzuhalten. Der Nachweis ist der geänderte Rahmenvertrag plus die erste Zahlung nach neuem Ziel, nicht eine Folie über „faire Beschaffung“.
Schulung gehört dazu, wenn der Einkauf weiter nur über Preis entscheidet. Eine Stunde mit den konkreten Fällen aus dem eigenen Stamm reicht oft. Der Nachweis ist Teilnehmerliste, Datum, Themen. Eine allgemeine E-Learning-Quote ohne Inhalt hält vor dem Prüfer selten.
Beispiel Saison: Vor dem Weihnachtsgeschäft verdoppelt der Einkauf die Abrufe bei einem Verpacker. Die Sommer-Prävention – Schichtplan einmal im Quartal – greift dann nicht. Die Maßnahme muss den Peak vorwegnehmen: Kapazitätszusage, Verbot unangekündigter Nachtschichten, Frist vor dem Anstieg. Wer das erst im Dezember sieht, hat die Prävention verpasst.
Neue Lieferanten vor der ersten Bestellung, nicht danach. Kodex, Klausel und die eine Nachfrage zum Hauptrisiko stehen in der Akte, bevor der Abruf läuft. Nach dem Zuschlag ist jede Unterschrift ein Nachholen.
In Catenis hängt jede Prävention am Lieferanten: Typ, Frist, Zuständigkeit, Nachweis. Die Montagsliste zeigt, welche Maßnahme keine Owner hat und welcher Kodex in 30 Tagen ausläuft. Ohne diese Ansicht bleibt Prävention eine Projektfolie.
Was fehlt, gehört ebenfalls in die Akte. Lieferant antwortet nicht, Schichtplan kommt unleserlich, Schulung verschoben. Der Prüfer akzeptiert eine begründete Lücke eher als eine leere Mappe, in der alles „im Griff“ wirkt.
Typischer Fehler
Der häufigste Fehler ist der Einheitskodex. Alle unterschreiben dasselbe PDF. Die Analyse lag schon vor und zeigte drei verschiedene Risiken. Ein Jahr später kann niemand sagen, welche Maßnahme zu welchem Befund gehörte.
Der zweite Fehler: Unterschrift da, Nachfassung fehlt. Der Kodex liegt im Ordner. Der Einkauf bestellt weiter wie vorher. Der Prüfer fragt nach dem nächsten Schritt, nicht nach dem Scan.
Der dritte: Die Bestellpraxis ändert sich still, ohne Datum und ohne Begründung in der Akte. Dann ist die einzige Spur eine Mail im persönlichen Postfach. Nach dem Stellenwechsel ist sie weg.
Grenze
Das Lexikon sagt nicht, welche Maßnahme in einem bestimmten Fall ausreicht und welche Buße droht. Das bleibt bei Rechtsberatung und, wo einschlägig, beim BAFA.
Catenis dokumentiert Lieferant, Maßnahme, Frist, Nachweis, Freigabe. Register und Behördenmeldung bleiben außerhalb. Eine grüne Ampel ist Arbeitsansicht, kein Gutachten.
Häufige Fragen
Was ist Präventionsmaßnahmen?
Prävention soll Risiken verhindern oder verringern, bevor ein Verstoß eintritt: Schulungen, Code of Conduct, Vertragsklauseln, angepasste Einkaufspraktiken, Nachfragen bei priorisierten Lieferanten. Die Maßnahme muss zum ermittelten Risiko passen und nachvollziehbar dokumentiert sein.
Ersetzt das Lexikon eine Rechtsberatung?
Nein. Die Texte ordnen Themen ein. Rechtliche Bewertung, Register und Behördenprozesse bleiben beim Unternehmen bzw. seinen Beratern.